8. Europäisches Filmfestival ab dem 10. Oktober 2017

Grußwort der Veranstalter

Vorhang auf zur 8. Ausgabe des Europäischen Filmfestivals der Generationen, das bundesweit vom 10. bis 26. Oktober in nunmehr über 70 Städten und Kommunen stattfindet. Hinzu kommen Kooperationen mit Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Indien. Ein besonderes Anliegen des Festivals ist es, an Orte zu kommen, wo es keine Kinokultur (mehr) gibt. Mit wohnortnahen Filmveranstaltungen wollen wir niedrigschwellig die Bürgerschaft in der Wohnumgebung erreichen. Mit hochwertigen, unterhaltsamen und informativen Filmen sollen Fragen des Alterns und des demographischen Wandels aufgeworfen und mit dem Publikum erörtert werden: Wie wollen wir in einer älter und bunter werdenden Gesellschaft miteinander friedvoll und solidarisch leben? Wie kann der Dialog zwischen den Generationen und Kulturen gefördert und wie kann Sorge und Mitverantwortung in der Kommune gestärkt werden?

Hierzu will das Festivalprogramm Anregungen und Denkanstöße geben und einen Beitrag zu einem aktiven, selbst gestalteten und differenzierten Altersbild leisten. Die aktuellen Dokumentationen und Spielfilme zeigen ältere Menschen, die vor neuen Aufgaben und Herausforderungen stehen und dabei Ängste überwinden („Trockenschwimmen“), sich kämpferisch gegen Behörden zur Wehr setzen (Ich, Daniel Blake“, „Für immer dein“), sich mit der eigenen bewegten Lebensgeschichte auseinandersetzen („Haymatloz“) oder sich gegen die Widerstände aus der Familie auf eine neue Liebe einlassen („Hinter den Wolken“).

Herzlich bedanken wollen wir uns bei allen Veranstaltern und Diskutanten, die mit viel ehrenamtlichen Engagement und zumeist ohne finanzielle Förderung Großartiges leisten. Dank gilt den Sponsoren und Verleihern, ohne deren Unterstützung das Festival nicht finanzierbar wäre. Und ein besonderen Dank geht auch an Sie, wertes Publikum, denn erst durch Ihr Kommen und Mitwirken finden all die lebendigen und anregenden Gespräche statt, die für das Konzept des Festivals maßgebend sind.

Wir freuen uns, Sie bei unserem Festival begrüßen zu dürfen!

Dr. Michael Doh & Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse
Kompetenzzentrum Alter, Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg

Matthias Roos
Gesundheitsamt Frankfurt am Main

 

Grußwort der Schirmherrin

Ganz herzlich begrüße ich Sie nun schon zum 8. Europäischen Filmfestival der Generationen – ganz besonders diejenigen, die das erste Mal dabei sind. Mittlerweile ist das Filmfestival in der Region Rhein-Neckar schon zur Tradition geworden – genauso wie im Frankfurter Raum. Und dieses Jahr kommen noch viele neue Städte hinzu, in denen die spannenden, generationenumfassenden Filme gezeigt und diskutiert werden.

Die einzelnen Filme sind sehr unterschiedlich, spielen in Deutschland, in Kanada, in der Türkei, in Belgien, in Großbritannien und der Schweiz. Sie lassen aber alle erkennen, wie man auch noch im höheren Alter ein schwieriges Schicksal meistert, wie man Herausforderungen begegnet, sei es in Form wenig verständnisvoller Menschen oder unverständlicher Vorschriften und Bestimmungen. Manchmal muss man auch den eigenen Kindern gegenüber sein Recht auf Selbstbestimmung vertreten. Auch das Thema Migration und Integration findet sich im diesjährigen Festivalprogramm wieder: Der Film „Neuland“ zeigt zum Beispiel einen außergewöhnlichen Lehrer, der seit über 25 Jahren Integrationsarbeit leistet. Der Film begleitet die jugendlichen Migranten auf ihrem Weg ins Berufsleben – vom Lernen der Sprache bis zum Zurechtfinden in einer neuen sozialen und kulturellen Umgebung. Eine Flucht anderer Art erlebte der heute 90-jährige Rabbi Wolff als Kind, als er als deutscher Jude mit seinen Eltern vor den Nazis fliehen musste. Ähnlich zur Flucht gezwungen waren jüdische Professoren während des Nationalsozialismus, die Zuflucht in der Türkei fanden. Dort fühlten sich allerdings ihre Kinder als Türkendeutsche heimatlos („Haymatloz“). Anpassungs- und Integrationsprozesse sind sehr vielschichtig, aber sie können gelingen – auch noch im höheren Alter.

Die ausgesuchten Filme beim diesjährigen Filmfestival sind alle sehr interessant, hochaktuell und beinhalten viel Diskussionsstoff. Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern viele interessante Stunden!

Prof. Dr. Dr. hc. mult. Ursula Lehr
Bundesministerin a. D.
Stellv. Vorsitzende der BAGSO

 

Festivalkonzept

Das Festival präsentiert aktuelle deutsche und internationale Spiel- und Dokumentarfilme über das Alter, das Älterwerden und den demografischen Wandel. Dabei steht die Filmauswahl unter zwei Prämissen: Erstens sollen die Filme differenzierte Altersbilder vermitteln, die das Alter als eine entwicklungsdynamische Lebensphase zeigt, mit vielfältigen Potenzialen und Ressourcen für das Individuum und für die Gesellschaft. D.h. die Filme sollen auch Chancen und Möglichkeiten, Gewinne und Freiheiten des Alterns aufzeigen und nicht nur als Verlust und Krankheit und Last der Gesellschaft. Die zweite Prämisse: Die Filme sollen Inhalte transportieren, die zur Anschlusskommunikation und zum Dialog mit dem Publikum einladen. D.h. die Geschichten, Bilder, Werte und Figuren sollen die Möglichkeit bieten, auf die Welt des Zuschauers übertragbar zu sein. Von der großen Leinwand herunter auf die reale Gegebenheiten vor Ort, in der Kommune, in meinem zu Hause, in meiner Welt.

Von daher sind die Publikumsgespräche im Anschluss an die Filmvorführungen zentraler Bestandteil des Festivalkonzepts. Diese werden durch Fachexperten aus Praxis, Wissenschaft, Kommune und Politik geführt. Der Film dient sozusagen als Medium, als Kommunikationsmittel, um ins Gespräch zu kommen und Fragen aufzuwerfen: Über das eigene und das gemeinsame, heutige und zukünftige Alter/n. Es soll das Bewusstsein für den demografischen Wandel fördern wie auch die Bedeutung für ein aktives und gesundes Altern. Es soll den Dialog der Generationen fördern wie auch die Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement.


Kommunen können profitieren

Speziell um auch den Aspekt der Mitverantwortung, sozialen Teilhabe und Engagement zu fördern, geht das Festival gezielt neue Wege der Distribution. Neben den herkömmlichen kommerziellen Kinos werden auch Orte der Begegnung aufgesucht, die besonders für ältere Menschen niedrigschwellig zugänglich sind. So finden zahlreiche kostenlose Filmveranstaltungen in Bürgerhäusern, Schulen, Kirchen, Seniorenzentren, Krankenhäusern, Theatern, Pflegestützpunkten oder Mehr-Generationen-Häusern statt. Dabei kommen ausgewählte Filme zum Einsatz, die für den Veranstalter, das Quartier oder die Kommune themenrelevant und zukunftsträchtig sind. Mit diesem kulturellen Angebot im lokalen Raum werden nicht nur soziale Teilhabe älterer Menschen und nachbarschaftliche Beziehungen gestärkt, die Kommunen profitieren von einer sich verstärkenden Vernetzung und Kooperation von kommunalen, lokalen und sozialen und bürgerschaftlichen Akteuren.


Neue Publikation über das Filmfestival

Kempa, S. (2016): Gereift: Das Kino entdeckt ältere Menschen. Heilberufe - Das Pflegemagazin, 68(12), 54-56.